Einordnung des Paul-Martini-Symposiums 2019

Das Paul-Martini-Symposium 2019 widmete sich einem hochrelevanten Thema der modernen Inneren Medizin: der Arzneimitteltherapie bei Menschen im Alter. Im Rahmen der 125. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) in Wiesbaden wurden aktuelle Herausforderungen, neue wissenschaftliche Erkenntnisse und praxisnahe Strategien für eine sichere und wirksame Pharmakotherapie im höheren Lebensalter diskutiert.

Zwischen dem 15. und 16. November 2019 kamen Expertinnen und Experten aus Klinik, Praxis und Forschung zusammen, um zentrale Fragen zu Polypharmakotherapie, Medikamentensicherheit und individualisierten Behandlungsstrategien zu erörtern. Das Symposium verstand sich als Brücke zwischen evidenzbasierter Medizin, klinischer Erfahrung und den besonderen Bedürfnissen älterer Patientinnen und Patienten.

Herausforderungen der Arzneimitteltherapie im Alter

Die Arzneimitteltherapie im höheren Lebensalter ist komplex. Multimorbidität, veränderte Pharmakokinetik und Pharmakodynamik sowie ein erhöhtes Risiko für unerwünschte Arzneimittelwirkungen stellen die behandelnden Ärztinnen und Ärzte vor besondere Aufgaben. Gleichzeitig steigt mit dem demografischen Wandel der Anteil älterer Menschen, die dauerhaft mehrere Medikamente einnehmen.

Beim Paul-Martini-Symposium 2019 wurden insbesondere folgende Problemfelder beleuchtet:

  • Polypharmazie: gleichzeitige Einnahme mehrerer Wirkstoffe mit potenziell gefährlichen Wechselwirkungen
  • Unter- und Übertherapie: unzureichende Behandlung relevanter Erkrankungen bei gleichzeitiger Übertherapie in anderen Bereichen
  • Gebrechlichkeit (Frailty) und funktionelle Einschränkungen, die die Therapiewahl maßgeblich beeinflussen
  • Adhärenzprobleme aufgrund komplexer Einnahmeschemata, kognitiver Beeinträchtigungen oder sozialer Faktoren

Schwerpunkte der Diskussion auf dem DGIM-Kongress 2019

Im Rahmen der DGIM-Tagung wurden in der Zeitschiene von 18:00 Uhr bis 19:30 Uhr zentrale Aspekte der medikamentösen Behandlung älterer Menschen strukturiert aufgearbeitet. Das Symposium griff dabei sowohl internistische Kernthemen als auch interdisziplinäre Perspektiven auf.

Individualisierte Therapie statt Schema F

Ein wichtiges Fazit lautete: Standardisierte Therapieschemata reichen bei älteren Menschen oft nicht aus. Klinische Entscheidungen müssen stets an den individuellen Gesundheitszustand, die funktionelle Kapazität, die Lebenserwartung und die persönlichen Therapieziele angepasst werden. Dies gilt für die Behandlung chronischer Erkrankungen wie Herzinsuffizienz, Diabetes mellitus oder COPD ebenso wie für akute internistische Notfälle.

Risikoreduktion durch strukturierte Medikamentenüberprüfung

Mehrfach betont wurde die Bedeutung regelmäßiger, strukturierter Medikationsanalysen. Instrumente wie Checklisten zu potenziell inadäquaten Medikamenten im Alter, interdisziplinäre Fallkonferenzen sowie eine enge Zusammenarbeit von Ärztinnen, Ärzten und Apotheken können helfen, unnötige oder riskante Verordnungen zu reduzieren. Dies trägt nicht nur zur Sturz- und Delirprävention bei, sondern verbessert auch Lebensqualität und Therapiesicherheit.

Geriatrische Aspekte in der Inneren Medizin

Das Paul-Martini-Symposium 2019 machte deutlich, dass die Innere Medizin ohne einen starken geriatrischen Fokus nicht zukunftsfähig ist. Die geriatrische Expertise ist entscheidend, um komplexe Krankheitsbilder richtig zu priorisieren, Therapielasten zu reduzieren und die Selbstständigkeit älterer Menschen so lange wie möglich zu erhalten.

Besonders hervorgehoben wurden:

  • die systematische Erfassung geriatrischer Syndrome wie Sturzgefährdung, Demenz, Mangelernährung und Inkontinenz
  • die Bedeutung von Rehabilitation und Prävention bereits im klinischen Alltag
  • die Abwägung von Leitlinienempfehlungen im Kontext begrenzter physiologischer Reserven

Sichere Pharmakotherapie: Strategien und Werkzeuge

Ein zentrales Ziel des Symposiums war es, praktische Werkzeuge für eine sicherere medikamentöse Versorgung älterer Menschen vorzustellen. Dabei kamen sowohl klinische als auch organisatorische Ansätze zur Sprache.

Deprescribing: Weniger ist manchmal mehr

Unter dem Schlagwort Deprescribing wurden Konzepte zur systematischen Reduktion unnötiger Medikation präsentiert. Dies umfasst die kritische Neubewertung jeder Verordnung, die Anpassung an veränderte Therapieziele sowie die enge Einbindung der Patientinnen und Patienten in die Entscheidungsfindung.

Patientenorientierung und Shared Decision Making

Die Teilnehmenden waren sich einig, dass eine moderne Arzneimitteltherapie im Alter ohne echte Patientenorientierung nicht denkbar ist. Aufklärung, verständliche Information und das gemeinsame Abwägen von Nutzen und Risiken stehen im Mittelpunkt. So können Prioritäten wie Erhalt der Mobilität, Schmerzfreiheit oder kognitive Stabilität individuell gewichtet und therapeutische Maßnahmen entsprechend ausgerichtet werden.

Bedeutung für Klinikalltag und Versorgungspraxis

Die Inhalte des Paul-Martini-Symposiums 2019 haben unmittelbare Relevanz für den klinischen Alltag. Viele der diskutierten Strategien – von der strukturierten Medikationsanamnese über interprofessionelle Visiten bis hin zu digital unterstützten Arzneimittelchecks – lassen sich in Kliniken, Praxen und Pflegeeinrichtungen umsetzen.

Damit trägt das Symposium dazu bei, die Versorgungsqualität älterer Patientinnen und Patienten nachhaltig zu verbessern und die Innere Medizin an die Anforderungen einer alternden Gesellschaft anzupassen.

Wiesbaden als Tagungsort: Medizinische Exzellenz im passenden Rahmen

Die Wahl von Wiesbaden als Austragungsort der 125. Tagung der DGIM bot eine besondere Kulisse für das Paul-Martini-Symposium 2019. Die Stadt verbindet medizinische Tradition mit moderner Infrastruktur und schafft damit ideale Rahmenbedingungen für wissenschaftlichen Austausch, fachliche Vernetzung und interdisziplinären Dialog.

Für Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Symposiums spielte neben den fachlichen Inhalten auch die Wahl eines passenden Hotels eine wichtige Rolle. Wiesbaden bietet eine Vielzahl an Unterkünften, die sich auf die Bedürfnisse von Kongressbesuchenden eingestellt haben – von ruhigen Zimmern für die konzentrierte Nachbereitung der Vorträge bis hin zu Häusern mit Tagungsräumen für Arbeitsgruppen und Satellitenmeetings. So konnten viele Gäste ihren Aufenthalt optimal nutzen, um die umfangreichen Diskussionen rund um die Arzneimitteltherapie bei Menschen im Alter in angenehmer Umgebung nachklingen zu lassen und sich gleichzeitig mit Kolleginnen und Kollegen über neue Impulse für den klinischen Alltag auszutauschen.